Das TV-Programm am ersten Weihnachtsfeiertag ist ja phänomenal.
Auf den ersten Blick ins Programmheft bin ich für Ice Age 3.
Mal wieder ein bisschen was zu lachen haben, das wär doch nicht
schlecht. Doch nach der ersten Minute und ein wenig rumzappen
drängt es mich doch eher zu “etwas Neuem”.
Nicht das Alte widerkäuen – auch wenn es schöne Erinnerungen
erinnert.
Mir ist eher nach neuen Eindrücken, neuen Ideen, Inspirationen.
Deshalb entscheide ich mich doch für “Zeiten des Aufruhrs” mit
Leonardo DiCaprio und Kate Winslet. Die, wie ich später finde,
ihre Rollen so grandios gut spielen, dass es einfach nicht besser geht.

Die Zusammenfassung im Heft lautet:
“Frank Wheeler führt mit seiner Frau April und zwei kleinen Kindern
im Connecticut der 50er Jahre ein beschauliches Leben.
Er mag seinen Bürojob zwar nicht sonderlich, doch der bringt
genug Geld für ein schönes Heim ein. Nach einem misslungenen
Versuch, in der Theaterbranche Fuß zu fassen, ergibt sich auch
seine Frau dem Alltagstrott ihrer Hausfrauenrolle.
Als beide beschämt einsehen müssen, dass sie längst in Routine
erstarrt und im verhassten Kleinbürgertum angekommen sind,
schlägt April vor, in Paris einen Neuanfang zu wagen.”
…….Soweit das Programmheft.
Beide spüren, dass die Liebe bröckelt (Frank hat sich sogar auf
einen Seitensprung eingelassen) und dass die Ambitionen
die man einmal hatte, verloren gegangen zu sein scheinen.
Mit einem Neuanfang könnte man vielleicht noch einmal das
Ruder herumreißen.
Alles ist schon fest geplant. Die Freunde und Bekannten sind
informiert. Die Schiff-Tickets sind gekauft.
Da wird April schwanger. Und gleichzeitig bekommt Frank die
Chance auf berufliche Karriere.
Dieser Zerreißprobe hält die Beziehung nicht mehr stand.
Frank möchte doch lieber den bequemeren Weg gehen und bleiben.
April ist unglücklich mit der Situation so wie sie ist.
“Ich kann nicht weg und ich kann nicht bleiben”, sagt sie
einmal voller Trauer.
Am Ende tötet April das ungeborene Leben das sie in sich trägt.
Was auch sie kurz danach umbringt.
Ein ernster Film. Fast schon ein unbequemer.
Zum einen, weil er einem einen Spiegel vorhält.
Mir, dem Zuschauer, geht es wie den Freunden im Film.
Die Idee an sich ist toll.
Sich selbst finden wollen. Was ist meine Bestimmung?
“Wer bin ich – und wo will ich hin?”
Jedem geht es so.
Mindestens ab der Pubertät hat sich das jeder einmal gefragt.
Und spätestens in den Vierzigern haben viele ein
Problem mit der Abrechnung.
Ja, die Idee an sich ist toll. Aber welche Unbequemlichkeiten
ist man bereit dafür einzugehen?
Das Zweite, warum der Film unbequem ist, ist der Blick
auf das Thema Lebenspartner.
Eine Frage die wir uns genauso seit der Pubertät stellen:
“Was ist Liebe?”
Wenn der eine Partner irgendwann einmal feststellt, dass er
die Frage “wo will ich hin?” anders beantwortet als der andere
dann realisiert man, dass die Liebe schwindet.
Was also ist Liebe?
War es dann überhaupt Liebe was wir miteinander hatten?
Liebe ist also nicht nur ein romantisches Gefühl,
sondern ein Vertrag mit dem Vertragsgegenstand:
Wo wollen wir gemeinsam hin?
Der Film ist wie ein gutes Buch.
Er zeigt Szenen die zum Teil unaufgeklärt bleiben.
Der Betrachter wird nicht zur Lösung -,
er wird zum Nachdenken geführt.
Januar 9, 2012 um 2:02 pm |
Inspirierender Artikel.Habe ein paar tolle Denkanstoesse bekommen. Freue mich schon auf weitere Beiträge.
Januar 14, 2012 um 12:42 pm |
Hey in Opera sieht dein Blog irgendwie seltsam aus.
Januar 14, 2012 um 12:56 pm |
Schoener Blog, gefaellt mir super. Auch gute Themen.
Januar 20, 2012 um 8:36 am |
Danke für das Lob. Es hapert nur mit der Regelmäßigkeit. Die Inspirationen kommen leider nicht am Fließband